Die Rheinpfalz am 22.01.2011


Wiesbadener Kurier am 15.07.2009


Wiesbadener Kurier

Von Wolfgang Degen


Herbert B. sinniert über Großes, über die Gerechtigkeit.
“Gerecht ist das alles nicht", sagt er. Der 67-Jährige sitzt zu
Hause in Germersheim am Wohnzimmertisch, vor sich eine
dicke Akte, sein Streit mit der R+V Lebensversicherung AG.
Es ist eine skurrile Geschichte, die der Rentner und seine
Frau Doris erzählen.
Die Geschichte, mag sie zuweilen verwirrend erscheinen,
hat einen roten Faden, und das ist eine Namensgleichheit.
Herbert B. aus Germersheim hat einen Cousin, der heißt
ebenfalls Herbert B., ist aber sechs Jahre jünger, er wohnt
in einem Dorf an der Weinstraße. Der Familiennamen ist
ungewöhnlich, überaus selten, im Telefonbuch sind
bundesweit gerade mal 16 Einträge mit diesem
Familiennamen enthalten.
Die Namensvettern sind unabhängig voneinander Kunden
der R+V. Der Vater des Jüngeren schließt im Dezember
1965 eine Lebensversicherung für den Sohn ab. 1977
erfolgt eine Änderung, statt der Eltern soll nun im Todesfall
die Ehefrau Begünstigte sein. Eine simple Änderung.
Normalerweise.
Bei der R+V indes verwechselt man die Namensvettern.
Bernhard Nummer zwei wird Bernhard Nummer eins. Und
deswegen zahlt ab 1978 der Germersheimer, ohne dass ihm
das auffällt, zu seinen zwei Lebensversicherungen und
weiterer Haftpflichtversicherungen bei der R+V, noch eine
zusätzliche, die für den Cousin. Jährlich 400 Mark. “Es ist
bei den vielen Versicherungen und all den anderen
Abbuchungen untergegangen", sagt Doris B..
Eine Einzugsermächtigung für diese dritte
Lebensversicherung hat die R+V nicht. Sie hat, weil Herbert
Nummer eins schon Kunde ist, ja dessen Bankdaten bei der
VR Bank Südpfalz. Jahr für Jahr bucht die R+V irrtümlich ab,
bis 2001. 24 Jahre lang.

Möglicherweise infolge der Umstellung auf den Euro
bemerkt die R+V den Fehler, ab 2001 wird korrekt
abgebucht bei Herbert Nummer zwei von der Weinstraße.
Die R+V schweigt: Sie informiert keinen der Cousins, sie
erstattet nichts von dem zu Unrecht abgebuchten Geld
zurück. “Die R+V hat das unter den Teppich gekehrt und
gedacht, das wird schon keiner merken", interpretiert
Rechtsanwalt Alexander Gimbel, der den Germersheimern
zur Seite steht.
Stutzig werden die B.s in Germersheim Mitte September
2007, die R+V kündigt ihnen Erfreuliches an: Eine
Lebensversicherung sei fällig, rund 29 000 Euro. Das Geld
werde auf das bekannte Konto bei der VR Bank Südpfalz
überwiesen. Doris und Herbert B. schmieden Pläne, sie
überlegen Anschaffungen. Dann suchen sie in ihren
Unterlagen und stellen beim Vergleich der
Versicherungsnummer verwundert fest sie haben überhaupt
keine passende Police.
Doris B. recherchiert, was es mit dieser Versicherung auf
sich hat. Sie und ihr Mann staunen, als die Fakten auf dem
Tisch liegen. “Mein Gott, das kann doch nicht wahr sein³,
sagt sie, er spricht von einem “Schock". 24 Jahre haben sie
für den Cousin bezahlt. Belegt durch Auszüge, die sich im
Archiv ihrer Hausbank finden.
Ein “technischer Fehler" sei Schuld, schreibt die R+V, sie
entschuldigt sich. 1022,60 Euro, der Betrag für 1997 bis
2002, werde rückerstattet. Alles andere sei “verjährt", teilt
die Versicherung Ende Februar 2008 mit. Verjährung das
kann, das muss die R+V-Versicherung aber nicht geltend
machen, weswegen Bernhard B. auch über das Thema
“Versicherungen und Moral" sinniert. Er rätselt, wo die R+V,
wie sie schreibt, bis dahin “sehr entgegenkommend" sei.

Quelle:

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